Ausgehen, Feste
und Leute in Baden

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Mithelfen in einer Festbeiz: meine Saison hinter dem Tresen

Baden am Abend

Wenn mich jemand fragt, wie man in Baden Freunde findet, sage ich immer dasselbe: Geh abwaschen. Die Leute schauen mich dann an, als hätte ich ihnen geraten, einem Kloster beizutreten. Aber ich meine es ernst. Die schnellsten und haltbarsten Bekanntschaften meines Lebens habe ich nicht an einer Bar gemacht, sondern hinter einer, mit nassen Händen und einem Geschirrtuch über der Schulter.

Wie ich da hineingeraten bin

Es war das Jahr der Badenfahrt 2017. Eine Kollegin aus der Buchhandlung war seit Jahren in einem Verein, und dieser Verein betrieb eine Festbeiz. Ein paar Wochen vor dem Fest kam sie mit einem zerknitterten Schichtplan zu mir an die Kasse und fragte, ob ich am Donnerstag die Spätschicht übernehmen könnte. Es fehlten Leute, wie immer. Ich habe ja gesagt, vor allem weil ich zu höflich war, nein zu sagen.

Aus der einen Schicht wurden vier. Aus den vier Schichten wurde eine Einladung zum Helferfest danach, dann zur Generalversammlung im Winter, dann zum Stand an der Fasnacht im folgenden Jahr. Am Ende hatte ich eine ganze Saison mit diesem Verein verbracht, ohne es je geplant zu haben. Mitglied wurde ich nie offiziell, aber das hat niemanden gestört.

Festbeiz aus Strohballen an der Badenfahrt

Eine der Festbeizen an der Badenfahrt 2017, komplett aus Stroh gebaut.

Wie man sich meldet

Der einfachste Weg führt über Menschen, die man schon kennt. Fast jeder in Baden hat jemanden im Umfeld, der in einem Verein ist, sei es der Turnverein, eine Guggenmusik, der Quartierverein oder die Pfadi. Frag einfach herum, ob jemand für das nächste Fest Hilfe braucht. Die Antwort ist fast immer ja, und meistens kommt sie mit einer gewissen Erleichterung in der Stimme.

Wenn du niemanden kennst, schau auf die Websites der grossen Anlässe. Bei der Badenfahrt etwa sind die freiwilligen Helferinnen und Helfer ein wichtiger Teil des Ganzen, und auch kleinere Festivals suchen regelmässig Leute für Bar, Kasse oder Aufbau. Vereine hängen ausserdem Aushänge auf, in Läden, Bäckereien, manchmal auch bei uns in der Buchhandlung. Ein Anruf oder eine kurze Mail reicht. Niemand erwartet ein Bewerbungsschreiben, und du musst auch nichts können, ausser pünktlich zu sein und ein bisschen anzupacken.

Was du wissen solltest: Die Schichten sind lang, oft vier bis sechs Stunden, und die späten gehen manchmal bis tief in die Nacht. Lohn gibt es in der Regel keinen. Dafür bekommt man meistens ein Helfer-T-Shirt, Essen und Getränke während der Schicht, und am Ende ein Fest nur für die Helfer, das oft das lustigste von allen ist.

Was man dort erlebt

Die erste Stunde ist immer Chaos. Niemand weiss, wo die Becher sind, die Kasse spinnt, und der Zapfhahn macht Geräusche, die eher nach Waschmaschine klingen. Dann findet sich alles. Man lernt, dass man das Bier nicht einfach schräg reinlaufen lässt, sondern mit Gefühl. Man lernt, dass der Mann mit dem Schnauz am Ende der Theke seit zwanzig Jahren dieselbe Schicht macht und alles weiss. Und man lernt, dass Gäste um Mitternacht sehr viel freundlicher sind als Gäste um sieben, ausser sie sind es plötzlich nicht mehr.

Ich erinnere mich an eine Nacht, in der uns um halb zwei die Gläser ausgegangen sind. Eine Frau aus dem Verein, die ich bis dahin nur vom Sehen kannte, hat mich angeschaut, die Ärmel hochgekrempelt und gesagt: “Du spülst, ich trockne, und wir reden über was Schönes.” Wir haben eine Stunde lang über Bücher geredet, über ihren Garten und über ihren Ex. Heute fahren wir zusammen in die Ferien.

Warum das so gut funktioniert

Weil man nicht über sich selbst reden muss. Bei einem Apéro oder einem Date stehst du da und musst dich erklären: Wer bist du, was machst du, warum bist du hier. In einer Festbeiz fragt das keiner. Da gibt es eine gemeinsame Aufgabe, ein gemeinsames Problem (zu wenig Eis, zu viele Gäste) und einen gemeinsamen Feind, nämlich die Uhr. Gespräche entstehen nebenbei, und sie gehen oft tiefer, weil niemand gerade versucht, einen guten Eindruck zu machen.

Dazu kommt, dass man in einem Verein Leute aus allen Ecken trifft. In meiner Schicht standen eine Pflegefachfrau, ein pensionierter Lokführer, zwei Studenten und ein Elektriker , der leidenschaftlich gern Gedichte zitiert. In meinem normalen Alltag wäre ich keinem davon begegnet. Für jemanden, der neu in der Stadt ist, ist das Gold wert. Und wer allein ist, findet hier eine Gelegenheit, Menschen kennenzulernen, ohne dass es nach Partnersuche aussieht. Ich kenne mindestens zwei Paare, die sich hinter einer Festbeiztheke gefunden haben. Ich gehöre nicht dazu, aber ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.

Mein Rat zum Schluss

Fang klein an. Eine Schicht, nicht fünf. Wenn es dir gefällt, kommst du von allein wieder. Sag ehrlich, wenn du etwas nicht kannst, das sind alle anderen auch irgendwann gewesen. Und geh unbedingt ans Helferfest, auch wenn du nach dem Fest todmüde bist. Dort wirst du vom Aushilfsgesicht zur Person mit Namen.

Welche Feste es übers Jahr gibt, bei denen man mitmachen kann, steht in meiner Übersicht der Feste in Baden. Wie es an der grossen Badenfahrt zu und her geht, erzähle ich im Rückblick auf die Badenfahrt. Und wer lieber ohne Spätschicht neue Leute treffen möchte, findet weitere Ideen auf der Seite übers Leute kennenlernen in Baden.

 

www.stadtfest-baden.ch · private Notizen von Corinne Stäubli, Region Baden