Freunde aus Zürich fragen mich regelmässig, was man in Baden am Wochenende eigentlich machen kann. Die Frage klingt immer ein bisschen herablassend, so als würde man sich nach dem Nachtleben in einem Kurort erkundigen. Also habe ich angefangen, sie einfach einzuladen. Bis jetzt ist noch keiner früh nach Hause gefahren. Hier ist ungefähr der Plan, den ich mit ihnen durchziehe, wenn mein Sohn bei seinem Vater ist und ich zwei Tage nur für mich habe.
Der Freitag beginnt in der Weiten Gasse. Nach der Arbeit treffen sich dort viele Leute auf ein Glas, und im Sommer stehen die Tische draussen, so dass die halbe Gasse zu einer einzigen Terrasse wird. Ich gehe meistens zuerst in eine der kleineren Weinbars und dann weiter, je nachdem, wer gerade da ist. Einen festen Stammplatz habe ich nicht. Ich finde, in einer Stadt dieser Grösse braucht man keinen, weil man sowieso überall jemanden trifft.
Später am Abend lohnt sich ein Blick ins Programm von Nordportal und Royal. Im Nordportal spielen eher die bekannteren Bands, im Royal ist es kleiner und oft überraschender. Ausführlich habe ich die Konzertorte auf meiner Seite über Konzerte in Baden beschrieben. Wer nach dem Konzert noch nicht genug hat, findet meistens noch eine Bar, die offen ist, zum Beispiel den Mr. Pickwick Pub in der Altstadt. Dort ist es nie schick, aber immer irgendwie gemütlich.
Der Samstag beginnt bei mir ohne Wecker, aber nicht zu spät, denn der Wochenmarkt auf dem Schlossbergplatz und in der Weiten Gasse dauert nur bis gegen Mittag. Ich kaufe dort Gemüse, Käse und Blumen, die ich eigentlich nicht brauche, und trinke einen Kaffee im Stehen. Für mich ist das das soziale Herz der Woche. Hier sieht man alle: die Nachbarin mit dem Hund, den Lehrer meines Sohnes, die Frau, die mir vor Jahren an der Fasnacht den Glühwein in die Hand gedrückt hat.
Dazu gehört ein Spanischbrödli. Das ist ein kleines Blätterteiggebäck mit Haselnussfüllung, eine alte Badener Spezialität, die man in mehreren Bäckereien der Stadt bekommt. Die Geschichte dazu ist eigentlich die schönste an der ganzen Sache. Als 1847 die erste rein schweizerische Bahnlinie von Zürich nach Baden eröffnet wurde, schickten die Zürcher Herrschaften angeblich ihre Diener mit dem Zug nach Baden, um diese Brötli frisch zu holen. Seither heisst die Strecke im Volksmund Spanischbrödlibahn.
Fahren kann man mit dieser Bahn übrigens nicht mehr im Sinne eines eigenen Zuges. Die Strecke selbst ist heute ganz normaler Teil des SBB-Netzes, und der historische Zug fährt nur bei besonderen Anlässen, etwa 2022 zum Jubiläum 175 Jahre Schweizer Bahnen. Wer also auf eine nostalgische Fahrt hofft , muss auf ein Jubiläum warten. Das Gebäck dagegen gibt es jeden Tag.
Bei schlechtem Wetter geht es ins Kino. Das Kino Sterk an der Bahnhofstrasse gehört zu einer Familie, die seit fast hundert Jahren in Baden Kino macht, und ich mag den Gedanken, dass hier schon meine Vorgänger auf denselben Brettern im Dunkeln gesessen sind. Daneben gibt es das Kino im Trafo, das etwas moderner wirkt und mehr Säle hat. Auf der Seite der Sterk Kinos steht das aktuelle Programm.
Bei gutem Wetter gehe ich an die Limmat. Unten im Bäderquartier ist es ruhig, man kann am Wasser sitzen oder durch den Kurpark schlendern. Wer zu zweit unterwegs ist, findet auf meiner Seite über Baden zu zweit noch ein paar Ideen mehr.
Der Samstagabend ist bei mir meistens ein Essen mit Freunden. Wo genau, wechselt. Wichtig ist nur, dass man nicht zu früh reserviert und danach noch Zeit hat, durch die Altstadt zu ziehen. Wenn gerade ein Fest läuft, ist der Abend sowieso verplant. Welche Feste wann sind, steht in meiner Übersicht der Feste in Baden.
Der Sonntag gehört bei mir dem Kaffee, der Zeitung und einem Spaziergang hinauf zur Ruine Stein, um den Kopf zu lüften. Mehr passiert nicht. Mehr muss auch nicht passieren.
Für meine Zürcher Gäste ist das die wichtigste Frage, und ich verstehe sie. Zwischen Baden und Zürich fahren bis spät in die Nacht Züge, die Fahrt dauert nicht lange. In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag gibt es dazu im Aargau ein Nachtnetz mit Bussen, die ab Baden in die Region fahren, ohne Nachtzuschlag. Trotzdem gilt: vorher im Fahrplan nachschauen, nicht erst um halb eins am Perron. Ich habe schon zu viele Leute gesehen, die mit dem Handy in der Hand und einem sehr langen Gesicht auf der leeren Anzeigetafel nach einem Zug gesucht haben, der vor zehn Minuten weg war. Alles Weitere dazu findest du bei mir unter Anreise und Heimweg.
www.stadtfest-baden.ch · private Notizen von Corinne Stäubli, Region Baden