Mein erstes Konzert allein war ein Reinfall. Ich stand zwei Stunden mit einem Glas Weisswein an der Wand, habe dreimal auf mein Handy geschaut, obwohl niemand geschrieben hatte, und bin vor der Zugabe gegangen. Das ist jetzt ungefähr zehn Jahre her. Heute gehe ich fast lieber allein als in Begleitung, weil ich dann selbst entscheide, wann ich nach vorne gehe, mit wem ich rede und ob ich bleibe. Dazwischen lag eine Menge Übung, und die meisten Abende davon haben in Baden stattgefunden.
Das Nordportal ist der grösste Konzertort der Stadt. Es liegt im ehemaligen Industriequartier Baden Nord, nicht weit vom Bahnhof, und die Halle fasst bis zu tausend Leute. Hier spielen Bands, die man aus dem Radio kennt, dazu gibt es Partys und ab und zu Festivals. Für mich ist das Nordportal der Ort für die Abende, an denen ich tanzen will und nicht reden muss.
Das Royal an der Bahnhofstrasse ist das Gegenteil. Früher war es ein Studiokino, heute eine kleine Kulturbühne mit Konzerten, Lesungen, Theater und Barabenden. Die Stimmung ist familiär , man sitzt oder steht nah beieinander, und nach dem Konzert landet man fast automatisch an der Bar. Wenn ich jemandem Baden von seiner besten Seite zeigen will, gehe ich mit ihm ins Royal.
Das Kurtheater ist mit rund 600 Plätzen das grösste Theater im Aargau. Hier gibt es neben Schauspiel und Tanz auch Konzerte, Kabarett und Comedy. Es ist der Ort, an dem ich mich etwas schöner anziehe, als nötig wäre, und an dem man in der Pause mit erstaunlich vielen Leuten ins Gespräch kommt, weil alle mit einem Glas in der Hand im Foyer herumstehen und nicht wissen, wohin mit sich.
In der Stanzerei wird es dann ganz klein. Der Raum hat etwas Wohnzimmerhaftes, und die Reihe “Endlich Mittwoch!” bringt regelmässig Musik, Lesungen und anderes unter die Woche. Ich war dort einmal an einem Abend mit vielleicht dreissig Leuten, und am Ende hat die Musikerin uns alle mit Vornamen gekannt.
Für die Jüngeren gibt es das Werkk in der Alten Schmiede auf dem Merker-Areal, das Nachfolgelokal des früheren Jugendlokals Merkker. Von September bis Juni gibt es dort Konzerte und Partys von Punk über Hip-Hop bis Electro. Mein Sohn ist inzwischen alt genug, um dort hinzugehen, und hat mir sehr deutlich gemacht, dass ich nicht mitkommen soll. Ich respektiere das. Meistens.
Und dann der Montag. Jeden Montagabend gibt es im Isebähnli Jazz, eine Reihe, die sich “It’s Jazz Monday” nennt. Reservieren kann man nicht, wer zuerst kommt, sitzt. Für mich ist das der perfekte Wochenanfang: ein Glas, ein Trio, kein Smalltalkzwang.
Wer grössere Anlässe sucht, findet sie im Trafo, einer alten Werkhalle der BBC, wo heute Kongresse, Kino und Veranstaltungen aller Art stattfinden. Und im Mai ist ja sowieso das Bluesfestival, mehr dazu auf meiner Seite über die Feste in Baden.
Komm früh. Das klingt banal, ist aber der wichtigste Tipp überhaupt. Wenn der Saal noch halb leer ist, stehen die Leute an der Bar und reden. Eine Stunde später stehen alle vor der Bühne und schauen nach vorne, dann ist es vorbei mit Gesprächen.
Stell dich an die Bar, nicht an die Wand. An der Wand bist du Beobachterin. An der Bar bist du Teil der Szene, und irgendwer fragt dich garantiert, ob der Platz neben dir frei ist oder ob du die Band kennst. Ich sage dann immer ehrlich, dass ich keine Ahnung habe, und das ist erstaunlich oft ein guter Anfang.
Und geh lieber in kleine Säle. In der Stanzerei oder im Royal kommst du ins Gespräch, ob du willst oder nicht. Im Nordportal musst du dich dafür schon etwas mehr anstrengen. Mehr zu diesem Thema, auch abseits der Musik, steht auf meiner Seite übers Leute kennenlernen in Baden.
Nein. In Baden sowieso nicht, hier sieht man an fast jedem Abend Leute, die allein da sind. Viele kommen direkt von der Arbeit, manche sind Stammgäste, andere einfach neugierig. Niemand schaut dich schräg an. Und falls doch, dann liegt das vermutlich an deinem Pullover und nicht daran, dass du allein bist.
Das hängt stark davon ab, wo du wohnst. Nach Zürich gibt es lange Verbindungen, in die Region hinaus wird es spät nachts knapp, und die Nachtbusse fahren nur in den Nächten aufs Wochenende. Plane den Heimweg besser vor dem Konzert als danach. Ich habe dazu eine eigene Seite geschrieben: Anreise und Heimweg.
Am zuverlässigsten auf den Seiten der Lokale selbst. Ausserdem liegen in vielen Cafés und in der Stadtbibliothek Programmhefte aus, und ich schaue regelmässig in die Kulturagenda der Stadt. Und ganz altmodisch: Plakate an der Bahnhofstrasse lesen. Man glaubt nicht, wie viele schöne Abende ich so gefunden habe.
www.stadtfest-baden.ch · private Notizen von Corinne Stäubli, Region Baden